
Die Schlacht um Helms Klamm konnten die Menschen für sich entscheiden. Doch die größte Herausforderung steht allen noch bevor. Während der Zauberer Gandalf (Ian McKellen) nach Minas Tirith reist, die in Felsen errichtete Hauptstadt von Gondor, um dort Denethor (John Noble) vor dem bevorstehenden Angriff von Saurons Truppen zu warnen, suchen derweil die anderen nach Unterstützung bei den Kriegern von Rohan. Doch so sehr deren König Théoden (Bernhard Hill) auch darum wirbt, kaum einer will ihnen zu Hilfe eilen. Und so ziehen Aragorn (Viggo Mortensen), Legolas (Orlando Bloom) und Gimli (John Rhys-Davies) los, in der Hoffnung, einen unerwarteten Verbündeten zu finden. Gleichzeitig kämpfen sich Frodo (Elijah Wood) und Samwise (Sean Astin) immer weiter zum Schicksalsberg vor, ohne zu ahnen, dass Gollum ein falsches Spiel mit ihnen spielt …
Bevor das Mammutprojekt in die Kinos kam, war die Skepsis groß. Konnten Filme wirklich die Vision von J. R. R. Tolkiens kultisch verehrten Büchern adäquat umsetzen? Zumal Regisseur Peter Jackson sich zuvor mit teil kruden Genre-Werken einen Namen gemacht hatte und mit groß angelegten Blockbustern nichts zu tun hatte. Auch beim Ensemble wurden überwiegend wenig bekannte Darsteller verpflichtet, sieht man einmal von Ian McKellen ab. Doch die Reaktionen waren euphorisch nach dem Auftakt Die Gefährten, beim Nachfolger Die zwei Türme fielen sie nur minimal schwächer aus. Und doch war der Druck hoch bei Die Rückkehr des Königs, mit der die Saga ihr Ende finden sollte. Ein „gut“ reichte nicht aus, nicht weniger als das perfekte Finale wurde gefordert.
Ein Abenteuer mit Wiederholungen
Ob Die Rückkehr des Königs das wirklich ist, darüber darf man geteilter Meinung sein. Er ist auf jeden Fall dem zweiten Teil näher als dem Auftakt, was angesichts der Geschichte aber auch kaum zu vermeiden war. Beiden Werken ist gemeinsam, dass die Handlung sich in mehrere parallel verlaufende Stränge teilt, weshalb sich nie das Gefühl einer Gruppe einstellt. Und auch die Abwechslung von Die Gefährten sucht man hier vergebens. Das betrifft einerseits die Landschaften, die sich nur wenig geändert haben, worunter die Abenteuerstimmung leidet. Es betrifft aber auch den Inhalt: Während der Ringträger und seine beiden Begleiter sich alleine durchschlagen, ist der Rest damit beschäftigt, eine Menschenstadt von den anstürmenden Horden des Feindes zu beschützen.
Déjà-vu-Erlebnisse gibt es hier dann auch mehr als genug, von den Konflikten unter den Charakteren bis zum Verlauf der großen Schlacht: Es läuft, wie immer bei dieser Reihe, darauf hinaus, dass alles schon verloren scheint, bevor im letzten Moment die Rettung kommt. Sogar mehrfach. Die kann sich mal frühzeitig ankündigen, einmal tatsächlich aus dem Nichts kommen – und dabei neue Fragen aufwerfen, die der Film nicht zu beantworten gedenkt. Erschwerend kommt hinzu, dass es kein Pendant zu den Ents gibt, welche dem zweiten Teil noch ein eigenes Flair gegeben haben. Außerdem empfiehlt sich eine hohe Toleranzgrenze für Pathos nahe der Grenze zum Kitsch, wenn unschöne Tendenzen des Vorgängers noch verstärkt werden. Gleiches gilt für den Gebrauch der Computertechnik, die in den 17 Jahren seither nicht besonders gut gealtert ist.
Große Gefühle bis zum Ende
Wer will, findet hier also genügend Mankos, die den Film zum schwächsten der drei Teile machen. Doch dafür gibt es eben auch Stärken. Deutlich besser als beim Vorgänger ist beispielsweise die persönliche Komponente geworden. Das Verhältnis zwischen Frodo und Sam enthält einige sehr emotionale Momente. Auch die Geschichte um den von Trauer zerfressenen Denethor ist ausgesprochen tragisch, ohne dabei übermäßig manipulativ zu werden. Man hat bei Die Rückkehr des Königs wieder mehr das Gefühl, es mit realen Figuren zu tun zu haben, die alle ihre persönlichen Gründe und Motivationen mit sich herumtragen, weshalb der Abschied zum Ende doch immer wieder zu Herzen geht. Denn wenn hier die Figuren auseinandergehen, nach vielen gemeinsam verbrachten Stunden, dann fühlt es sich wirklich wie ein Ende an, im Guten wie im Schlechten.
Die Stärken, welche die ersten beiden Filme ausmachten, die sind ohnehin nach wie vor vorhanden. Von der fabelhaften Besetzung über die schönen Landschaften bis zu der geradezu grotesk detaillierten Ausstattung, es gibt hier so viel, was man sich anschauen kann und will. Die Ohren bekommen ebenfalls eine Menge geboten, wenn Komponist Howard Shore, der zum Abschluss noch einmal zwei Oscars bekam, sein persönliches Meisterwerk ablieferte. Die Atmosphäre der Reihe ist ohnehin nicht von dieser Welt, wenn zwischen Action und Abenteuer gewechselt wird, zwischen Fantasy und Horror, ohne dass es je zu einem Bruch käme. Bei Der Herr der Ringe greift (fast) jedes Teil zu einem harmonischen Gesamtpaket, das vielleicht nicht so perfekt ist, wie es manche gerne sehen, aber doch in seinem Bereich ungeschlagen ist.
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