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Als in Leipzig die 15-jährige Anna Römer (Lotte Flack) vermisst gemeldet wird, vermuten Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) das Schlimmste. Schließlich wurde zeitgleich die Leiche einer Jugendlichen gefunden. Dabei stellt sich heraus, dass es sich bei dieser in Wahrheit um die Obdachlose Lisa Noack handelte. Bei ihren weiteren Ermittlungen stoßen die beiden auf einen Hilfsverein namens Kinderland e.V., der von Gerd Tremmel (Hendrik Duryn) geleitet wird, sowie auf dessen Frau Claudia (Margarita Broich) und Sohn Paul (Leonard Proxauf). Währenddessen haben es in Köln Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ihrerseits mit einer toten Jugendlichen zu tun. Die Spur führt nach Sachsen, wo sich der Weg bald mit dem der Kollegen kreuzt …
Gipfeltreffen beim Tatort
Dass Tatort Kommissare und Kommissarinnen plötzlich außerhalb ihres Revieres agieren und bei anderen Teams mitmischen, das hat bei der Reihe lange Tradition. Tatsächlich gab es den ersten dieser Gastauftritte bereit bei der dritten Folge Kressin und der tote Mann im Fleet im Jahr 1971. Später gerieten solche Crossover ein wenig in Vergessenheit, kamen aber immer mal wieder vor. Insofern ist Kinderland, bei dem die Teams aus Leipzig und Köln zusammenkommen, eigentlich nicht weiter erwähnenswert. Besonders ist bei dem 834. Teil der ARD-Krimireihe jedoch, dass der Fall erstmals über zwei Folgen hinweg verfolgt wurde, das Zusammentreffen auf diese Weise einen stärkeren Event-Charakter hatte. Wer wissen wollte, wie es ausgeht, musste auch beim zweiten Teil Ihr Kinderlein kommet einschalten.
Das Aufeinandertreffen an sich gestaltet sich dabei schwierig, da Ballauf und Schenk es nicht für nötig hielten, sich bei den Kollegen und Kolleginnen anzukündigen. Dass so etwas gerade bei Keppler nicht gut ankommt, ist keine Überraschung. Wer den seit seinem ersten Auftritt in Todesstrafe dauermotzenden Kotzbrocken kennt, weiß bereits, dass der nicht viele Anlässe braucht, um andere Leute anzuschnauzen. Es reicht, wenn sie das Pech haben, in seiner Nähe zu sein. Diesem Ruf wird er in Tatort: Kinderland, dem 13. Fall des Duos gerecht. Anders gesagt: Man sollte mit seiner speziellen Art keine Probleme haben, sonst wird der Film schnell zur Qual. Es gibt kaum eine Szene, in der man sich nicht über ihn aufregen muss und sich fragt, wie es überhaupt jemand, sprich seine Ex Saalfeld, in seiner Nähe aushält.
Nach dem Streit die Langeweile
Die Streitereien zwischen ihm und Ballauf, so kindisch sie auch sein mögen, sind dabei schon der Höhepunkt des Films. Originell ist das mit dem Kompetenzgerangel natürlich nicht, bei In der Familie – dem aktuellsten Crossover-Event – lief das ganz ähnlich. Ein Alphamännchen gestattet nun einmal keinem zweiten, ihm den Rang abzulaufen. Aber es macht doch irgendwie Spaß zuzusehen, wie sie sich gegenseitig ans Bein pinkeln. Ansonsten ist das mit der Zusammenführung in Tatort: Kinderland wenig interessant. Die Konstellation bringt keine nennenswerte Dynamik mit sich, da ergänzt sich niemand durch Eigenheiten und Stärken. Es ist auch nicht so, als wäre die Verbindung der beiden Fälle übermäßig überzeugend. Das ist sie nicht einmal für die Figuren selbst.
Der Fall an sich ist ebenfalls nicht übermäßig spannend. So ist die Zahl der Figuren recht überschaubar, womit es nicht wirklich viele Möglichkeiten gibt, was vorgefallen sein könnte. Obwohl das Thema eigentlich sehr schlimm ist, ermordete Teenagerinnen und junge Menschen, die auf der Straße leben, das ist schon harter Tobak. Es gelingt bei Tatort: Kinderland aber nicht, die Tragik dieser Geschichten wirklich herauszuarbeiten und zwischendurch auch einmal wirklich zu packen. Stattdessen ergibt sich der Film relativ bald der Langeweile, während man als Zuschauer und Zuschauerin nur noch darauf warten kann, dass das Elend irgendwann ein Ende hat. Auch wenn der Krimi nicht wirklich schlecht ist: Für das angekündigte Event hat es inhaltlich wie inszenatorisch nicht gereicht.
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