Royalteen Netflix
© Netflix/Johan Bergmark/Håvard Byrkjeland/Agnete Brun

Royalteen

Royalteen Netflix
„Royalteen“ // Deutschland-Start: 17. August 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Für Lena (Ines Høysæter Asserson) steht ein komplett neuer Lebensabschnitt an, als sie mit ihrer Familie in eine neue Stadt zieht. Dort kennt sie niemanden, muss sich erst einmal in alles einfinden und Freunde finden. Einer davon ist Karl Johan (Mathias Storhøi), der von seinen Freunden Kalle genannt wird. Sie verstehen sich auf Anhieb gut und fangen bald an, sich auch privat zu treffen. Die Sache hat nur einen Haken: Kalle ist der Prinz des Landes. Damit steht er unter besonderer Beobachtung, die Klatschblätter reißen sich um den Jugendlichen. Jede Geschichte wird dankbar aufgegriffen und an die Menschen da draußen verkauft. Während Lena lernen muss, mit dieser Situation klarzukommen, hat sie in ihrem eigenen Leben schon genug Herausforderungen …

Sehnsucht nach Adel und Glamour

Auch wenn die Monarchie nicht unbedingt als die effektivste Regierungsform gilt und es gute Gründe dafür gibt, warum die meisten Länder sie irgendwann abgeschafft haben: Die Sehnsucht der Menschen danach ist ungebrochen. So sind die Klatschblätter voll von Geschichten des alten Adels. Und auch im Film- und Fernsehbereich wird diese Sehnsucht immer wieder bedient. Vor allem in Großbritannien wird man nicht müde, an die glorreiche Historie anzuknüpfen. Downton Abbey wurde zu einem weltweiten Verkaufsschlager, der zwei Kinofilme nach sich zog. Auch The Crown und Victoria bedienen erfolgreich diese Zielgruppe. Wer gerne mal etwas über andere Königshäuser erfahren möchte, für den nimmt Netflix Royalteen ins Programm, das vom blauen Blut Norwegens erzählt.

Der größere Unterschied zu den bekannten Adelsgeschichten liegt aber nicht in der geografischen Verortung, sondern in einer Verschiebung der Zielgruppe. Während viele dieser Produktionen doch eher ein älteres Publikum ansprechen, da ist Royalteen – der Titel verrät es bereits – in erster Linie ein Jugenddrama. Genauer sollen typische Themen, wie man sie in solchen Geschichten immer findet, mit der Frage verbunden werden: Wie kann man als adeliger Jugendlicher ein normales Leben führen? Das provoziert zwangsläufig Vergleiche zu Young Royals, einer weiteren Netflix-Produktion. In der Serie war es der Prinz von Schweden, der inmitten großen medialen Interesses und familiärer Erwartungen seinen eigenen Weg sucht. Kalle geht es da nicht anders, wenn der Film maßgeblich davon erzählt, ein Gefangener der anderen zu sein.

Zwischen Alltag und Seifenoper

Natürlich ist das nicht unbedingt das alltäglichste Schicksal, weshalb das mit der Identifikation zumindest auf den ersten Blick etwas schwierig ist. Ein Prinz zu sein, das fällt dann doch eher unter die Kategorie „Luxusproblem“. Wobei Royalteen schon auch universelle Themen hat, die sich in der Geschichte finden. Beispielsweise werden soziale Medien angesprochen und wie diese einen Menschen zu charakterisieren versuchen, ohne sich für den Menschen als solchen zu interessieren. Das wiederum ist eine Erfahrung, die nicht wenige machen, auch außerhalb der Adelshäuser. Vorverurteilungen finden im Alltag immer wieder statt. Das Internet hat die Diskrepanz zwischen öffentlichem Bild und dem Menschen dahinter noch einmal deutlich einfacher gemacht.

Die Kombination aus Alltag und Ausnahmesituation ist dabei grundsätzlich in Ordnung. Insgesamt ist der Film aber nicht übermäßig interessant geworden. So sind die Figuren ziemlich langweilig, was bei einem derart personenbezogenen Drama natürlich keine gute Voraussetzung ist. Der Film liefert keinen Grund, warum man sich für diese Jugendlichen interessieren sollte. Mal geschieht da zu wenig, dann wieder zu viel: Die Vorgeschichte von Lena ist dann doch mehr Seifenoper-Material. Wer sich daran nicht stört oder auch an den diversen Klischees, die hier verbraten werden, kann natürlich in Royalteens reinschauen. Tatsächlich sehenswert ist die Adaption einer Romanreihe von Randi Fuglehaug und Anne Gunn aber nicht.



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Royalteen
Fazit
„Royalteen“ erzählt aus dem Alltag einer Jugendlichen, die sich in einen Prinzen verliebt. Das Ergebnis ist kein romantisches Märchen, sondern versucht universelle Themen eines Jugenddramas zu verarbeiten. Geglückt ist das nur zum Teil, gerade bei den Figuren ist die Romanadaption sehr mäßig.
Leserwertung231 Bewertungen
4.9
5
von 10