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Eigentlich sah es gut aus im Leben von Miriam Schenk (Susanne Bormann) und Paul Wolf (Christian Schmidt). Über Jahre hinweg waren sie zusammen glücklich. Auch ihre jeweiligen Kinder aus früheren Beziehungen – Miriam Sohns Benno (Aniol Kirberg) und Pauls Tochter Zoé (Caroline Cousin) – verstehen sich gut. Doch die heile Welt bricht in sich zusammen, als Bennos bester Freund Christopher getötet wird. Als Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) die Ermittlungen aufnehmen, stellen sie fest, dass schon früher einiges im Argen lag. Und auch Christopher hat seine Geheimnisse, war er doch mit der Freiburger Drogenszene verbunden. Aber hat sein Tod mit diesen Geschäften zu tun? Und was weiß Benno über diese Angelegenheiten?
Die Verzweiflung der Jugend
Auch wenn die Kommentare im Internet etwas anderes vermuten lassen, keine deutsche Krimireihe ist wohl ähnlich abwechslungsreich wie der Tatort. Das liegt nicht nur an den zahlreichen Teams, die sich Woche für Woche die Klinke in die Hand drücken. Man weiß auch im Hinblick auf Themen und Tonalität im Vorfeld – fast – nie, was einen erwartet. So gab es letzte Woche in Borowski und die große Wut eine surreal anmutende Wahrheitssuche vom Krankenbett aus. Seilschaft war deutlich aktiver unterwegs und irritierte durch bizarre Morde. Im Vergleich dazu ist Das geheime Leben unserer Kinder recht klassisch. Einem jungen Mann wurde offensichtlich der Kopf eingeschlagen. Nun geht es darum herauszufinden, wer es gewesen ist, ganz ohne Schnickschnack.
Aber das ist nur ein Teil der Geschichte. So geht es, der Titel kündigt es bereits an, um den Nachwuchs und was dieser so treibt. Das betrifft einerseits Vanessa (Lola Höller), die nervige Nichte von Tobler, die sich an halsbrecherischen Tätigkeiten versucht, um als Influencerin reich zu werden, während sie gleichzeitig die Welt verbessern will. Für den Fall ist sie völlig irrelevant, aber es passt zum zweiten Beispiel von Benno und Zoé. Bei denen ist die Verzweiflung angesichts der Weltzustände ganz besonders groß. Um diesen zu entkommen, lassen sie sich eben auf Drogengeschäfte ein. So ganz überzeugend ist das mit der Moral also nicht, wobei Tatort: Das geheime Leben unserer Kinder nie wirklich klarmacht, ob das jetzt selbst eine Kritik sein soll, eine bloße Bestandsaufnahme oder doch eher Parodie.
Nichtssagend und langweilig
Tatsächlich ist der 1237. Teil der ARD-Krimireihe zuweilen an der Grenze zum unfreiwillig Komischen, wenn der Film in lauter Klischees badet. Ungewöhnlich ist hingegen die Inszenierung, die immer mal wieder aus Splitscreens setzt. Warum Regisseur Kai Wessel (Saras Geständnis) das tut, ist nicht ganz klar. Erzählerisch hat dieses Stilmittel hier nichts beizutragen. Es passt jedoch irgendwie zu einem Film, der alles Mögliche zusammenwirft, ohne dass dabei ein richtiges Konzept sichtbar würde. Tatort: Das geheime Leben unserer Kinder verbindet eine Mördersuche mit der Flucht der beiden jungen Menschen, die sich in etwas verrannt haben, und setzt eben dieses Generationenporträt noch oben drauf. So war zumindest der Plan. In der Praxis greifen die einzelnen Bestandteile aber nicht wirklich ineinander.
Dabei sind es vor allem zwei Probleme, die dem Film zu schaffen machen. Zum einen hat er trotz gegenteiliger Absichten letztendlich gar nichts zu der jungen Generation zu sagen. Das wirkt eher so, als habe da jemand etwas irgendwo aufgeschnappt und nachgeplappert. Fast noch schlimmer: Es fehlt an Spannung. Tatsächlich ist Tatort: Das geheime Leben unserer Kinder, wenn es gerade mal nicht nervig ist, ziemlich langweilig. Klar will man wissen, wer denn jetzt den jungen Mann erschlagen hat. Unterwegs geschieht aber zu lange nichts. Und dann enttäuscht auch noch die Auflösung, die sehr beliebig ist, mehr eine lästige Pflichterfüllung als wirklich Idee. Aber das mit den Ideen ist hier ja allgemein so eine Sache.
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