
Maggie Bradford (Nadja Bobyleva) trifft gleich doppelt der Schlag. Nicht nur dass ihr Vater George (Peter Sattmann) aus seinem Haus geworfen werden soll, nachdem er mit der Miete im Verzug ist. Auch ihr Tourismusbüro wird sie wohl aufgeben müssen. Verantwortlich für diese Sauerei ist ihr Vermieter Chris Lennon (Bernhard Piesk), weswegen sie mit ihrer Freundin Nicole (Victoria Fleer) nach Boston fährt, um ihn umzustimmen. Es kommt anders: Die beiden streiten sich, ein Wort führt zum anderen, am Ende fährt sie ihn versehentlich um. Größere Verletzungen bleiben ihm dabei zwar erspart, er verliert bei dem Unfall aber sein Gedächtnis. Für Maggie und ihren Vater bietet sich damit die Chance, vielleicht doch noch alles zum Guten zu wenden, indem sie seine Unwissenheit einfach ausnutzen und einen neuen Mietvertrag unterschreiben lassen …
Eine neue Chance für die Liebe
Zweieinhalb Jahre ist es mittlerweile her, dass der letzte Film nach Katie Fforde ausgestrahlt wurde. Weitere sind offensichtlich nicht geplant, die Produktionskosten in den USA sollen zu hoch gewesen sein, munkelt man. Zumindest in den Sommermonaten sind die Dramen aber regelmäßig im Rahmen der ZDF-Sonntagsschiene Herzkino zu sehen, wenn Wiederholungen gezeigt werden. Schließlich gibt es mehr als 40 Teile, ideal um Sommerlöcher zu stoppen. Nachdem kürzlich Ein Haus am Meer wieder ausgegraben wurde, kommt nun mit Wachgeküsst ein weiterer Teil zurück. Der ist bereits einige Jahre alt. Aber diese Filme stehen grundsätzlich ein bisschen außerhalb der Zeit, da macht es keinen Unterschied, wann man sich diese ansieht.
Sie funktionieren oft auch nach sehr ähnlichen Prinzipien. So weiß man hier bereits bei der ersten Szene mit Maggie und Chris, dass die beiden ein Liebespaar werden. Wenn sich zwei attraktive Menschen zu Beginn einer Geschichte zoffen, dann ist es amouröses Gesetz, dass sie zusammenkommen. Die einzige Frage ist nur: wie? Schließlich sind die Positionen und Charaktere so weit auseinander, dass es schon ein Wunder braucht. Oder eben einen Neustart, Katie Fforde: Wachgeküsst verlässt sich auf das immer wieder beliebte Mittel der Amnesie. Das wird oft in Thrillern genutzt, um einen Mystery-Faktor zu erzeugen. Hier gibt es hingegen nur wenig zu klären, allenfalls wie der Protagonist ein derartiges Arschloch werden konnte. Denn nach dem Reset ist er eigentlich ganz nett, muss er auch sein, damit die Romanze anfangen kann.
Ohne viel Persönlichkeit
Im Anschluss wird dann wieder der Autopilot eingeschaltet. Von den knapp 90 Minuten, die der Film lang ist, wird man mindestens 80 genau vorhersagen können. Dass die ursprünglich von Maggie rein geschäftlich gedachte Beziehung eine amouröse wird, ist ebenso obligatorisch wie die Enthüllung ihrer Lügen. Schließlich muss ja zwischendurch noch so getan werden, als könnte das alles anders kommen. Nur zwei Punkte sind in Katie Fforde: Wachgeküsst tatsächlich eigensinnig. So gibt George Stadttouren und trägt dabei eine recht auffällige Kleidung. Außerdem wird in der Heimat von Chris die Kunst des Seifenkistenrennens gepflegt. Das hat alles einen gewissen Charme, sorgt für eine Leichtigkeit. Allgemein ist der Ton heiterer, an manchen Stellen geht das auch als Komödie durch.
Ansonsten bleibt von dem Film nichts übrig. Im Gegensatz zu vielen Beiträgen vom Herzkino ist nicht einmal das Setting erwähnenswert. Das urige Zuhause von Chris’ Familie ist ganz hübsch. Ansonsten ist das weniger auffällig. Da auch die Figuren alles andere als spannend sind, finden sich nicht so wahnsinnig viele Argumente, warum man sich ausgerechnet Katie Fforde: Wachgeküsst anschauen sollte und nicht einen der vielen anderen Filme aus dem Segment. Wen das nicht stört, sogar eine Vorliebe hat für diese austauschbare Berieselung, kommt dabei auf seine Kosten. Ein filmischer Verlust ist es aber kaum, dass keine weiteren Adaptionen von Fforde mehr kommen. Hunderte solcher Teile braucht es nun wirklich nicht, wenn man sie im Anschluss sowieso wieder vergisst.
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