Blood Vessel Netflix Streamen online
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Blood Vessel

Blood Vessel Netflix Streamen online
„Blood Vessel“ // Deutschland-Start: 8. Dezember 2023 (Netflix)

Inhalt/Kritik

Unabhängig voneinander begeben sich drei Zweiergruppen als blinde Passagiere auf ein Schiff, um ihrer Heimat am Nigerdelta zu entfliehen: Das Liebespaar Abbey (David Ezekiel) und Oyin (Adaobi Dibor), die Rebellen Degbe (Levi Chikere) und Boma (Jidekene Achufusi) sowie die Brüder Olotu (Obinna Christian Okenwa) und Tekena (Sylvester Eka Nem). Sie alle erhoffen sich ein besseres Leben, doch ahnen nicht, was an Bord auf sie wartet …

Kampf mit den Sprachen

Wer Blood Vessel starten möchte, den Netflix aus Nigeria importiert hat, der wird aus Gewohntheit eventuell die englische Sprachausgabe – eine deutsche gibt es natürlich wieder nicht – wählen. „Ijaw“ klingt nun einmal nicht unbedingt nach einer Sprache, welche von den meisten hierzulande gesprochen wird. Trotzdem sollte dem Instinkt widerstanden und auf die Originalfassung (mit Untertiteln nach Wunsch, hier gibt es immerhin welche auf deutsch) zurückgegriffen werden. Selbst im Original wird immer wieder Englisch gesprochen, doch irgendwer kam auf die glorreiche Idee, sämtlichen Dialog neu synchronisieren zu lassen. Die Stimmen und vor allem die Synchronisation selbst passen überhaupt nicht. Dem Schauspiel der Darsteller wird damit auch alles andere als ein Gefallen getan.

Blood Vessel kann es wahrlich nicht gebrauchen, dass dem Zuschauer bei der Rezeption zusätzliche Hindernisse in den Weg gelegt werden. Der Film fängt einigermaßen vielversprechend an, doch verliert sich alsbald darin, seine ganzen Charaktere vorzustellen und zu etablieren. Prinzipiell gibt es ja nichts dagegen einzuwenden, es sollen natürlich Bande zwischen dem Zuschauer und den verschiedenen Figuren geknüpft werden. Das nimmt in Blood Vessel nur leider zu viel Zeit in Anspruch, außerdem bleiben manche Charaktere trotzdem nur Fremde. Die Dialoge tendieren manchmal dazu, reine Exposition zu sein. Das Voiceover zu Beginn scheint eher ein Weg der Filmemacher zu sein, zu sagen was sie wollen. Wer es sich nach Sichtung des Streifens noch einmal anhört, wird wohl ein paar Diskrepanzen feststellen.

Zu wenig draus gemacht

Ein Schiff auf dem Ozean ist wie ein Flugzeug in der Luft an sich ein geschlossener Raum. In Filmen, in denen die Figuren an einem bestimmten Ort gefangen sind, bietet es sich oft an, diesen miteinzubeziehen. Der Titel Blood Vessel impliziert bereits, dass das auch hier der Fall sein wird. Aus dem Setting wird aber so gut wie nichts gemacht. Filmisch gibt es doch Mittel und Wege, ein Film zum Leben zu erwecken und es als eine Art Charakter agieren zu lassen. Die Location scheint jedoch recht willkürlich gewählt worden zu sein. Natürlich muss die Handlung irgendwo stattfinden, aber der Umgebung eine stärkere Bedeutung zu verleihen, ist nie verkehrt. Außerdem scheint es abgesehen vom Kapitän, der sich auch nicht oft blicken gibt, keine Crew an Bord zu geben.

Mit knapp zwei Stunden ist Blood Vessel zu lang geraten. Dabei sind die zugrundeliegende Geschichte und die Verläufe der jeweiligen Charakterentwicklungen an sich interessant. Manche Nebenhandlungsstränge führen allerdings auch nur ins Nichts. Wenn ein dritter Akt in einem Film nicht funktioniert, dann weil er unzureichend vorbereitet wurde. Einige der hier angesprochenen Punkte sind für sich vielleicht nicht weiter tragisch, aber im dritten Akt offenbaren sich die bisherigen Verfehlungen von Blood Vessel.



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Blood Vessel
Fazit
Wie das Schiff in "Blood Vessel" fährt der Film durch viel zu ruhige Gewässer. Ähnlich den Charakteren im Bauch des Schiffes sind hier einige gute Ideen versteckt, sie treten dank der Umsetzung jedoch nicht an die Oberfläche.
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