
Das hätte leicht schiefgehen können. Als Kommissar Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) an einer Landstraße entlangläuft, wird er beinahe von einem unkontrolliert herumschlingernden Auto erfasst. Erst in letzter Sekunde kann er sich in Sicherheit bringen. Eine ältere Frau hat weniger Glück, die kurze Zeit später auf eben dieser Straße stirbt. Für Hölzer ist klar, dass er die Schuldigen finden muss. Tatsächlich gelingt es ihm, das Quartett Betty Henschel (Susanne Bormann), Taleb Hamsa (Omar El-Saeidi), Dino Callas (Daniel Zillmann) und Luisa Becker (Jasmina Al Zihairi) ausfindig zu machen, eine Clique, die sich die Zeit mit gefährlichen Wetten vertreibt. Während er sich dort undercover einschleust, ist sein Partner Adam Schürk (Daniel Sträßer) misstrauisch …
Eine Krimi ohne viele Rätsel
Eigentlich gehört es ja zum Konzept vom Tatort dazu, dass die einzelnen Filme unabhängig sind, sodass das Publikum immer beliebig einsteigen kann, ohne das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Nur selten wird mal eine Geschichte in späteren Fällen noch einmal aufgegriffen. Eine der großen Ausnahmen ist das Team in Saarbrücken. 1920 an den Start gegangen, befassten sich die ersten Filme – mal mehr, mal weniger – mit dem schwierigen Verhältnis von Schürk und seinem kriminellen Vater. Eigentlich sollte man meinen, dass das jetzt vorbei ist, schließlich ist der tot. Und doch sind die Auswirkungen dieses brutalen Familiendramas selbst in Der Fluch des Geldes noch zu fühlen. So fängt der fünfte Auftritt des Teams damit an, dass sich die beiden Kommissare über das Geld streiten, das beim letzten Mal in Die Kälte der Erde aufgetaucht ist. Wer da nicht dabei war, versteht nur Bahnhof.
Wobei die Vorgeschichte für den Fall nur teilweise relevant ist. Wichtig ist diese, um das schwierige Verhältnis der beiden Männer zu erklären. Und auch das Geld spielt eine Rolle, weil es für den Einsatz gebraucht wird. Die eigentliche Geschichte funktioniert ansonsten aber auch ohne. Diese entspricht beim 1259. Teil des ARD-Dauerbrenners nicht ganz dem üblichen Krimischema. So gibt es zu Beginn zwar eine Leiche. Es handelt sich aber um keinen Mord, wie man ihn definieren würde, auch wenn der Tod die direkte Folge der Raserei ist. Vor allem aber muss bei Tatort: Der Fluch des Geldes nicht gerätselt werden. So weiß das Publikum ebenso wie Hölzer, dass die vier verantwortlich sind. Es nur zu wissen, weiß aber nicht. Es braucht einen Beweis, der dann mühevoll herbeigeschafft werden muss.
Eine Clique voller Konfrontationen
Der Film geht dadurch stärker in eine Thrillerrichtung. Die Spannung besteht nicht darin, über eine Auflösung zu spekulieren, sondern, ob der Kommissar in dieser Truppe auffliegen wird. Hinzu kommen die Wetten, die mit hohen Einsätzen verbunden sind. Wobei man da nicht zu viel erwarten sollte. Die gefährlichste Wette ist noch die, bei der es darum geht, wer am längsten die Luft anhalten kann. Wer nach dem tatsächlich brenzligen Einstieg, wo die Aufgabe darin bestand, mit geschlossenen Augen Auto zu fahren, vergleichbare Situationen erwartet, wird enttäuscht. Der Druck besteht bei Tatort: Der Fluch des Geldes eher in dem konfrontativen Verhältnis der Figuren. Da gleicht fast jeder Dialog einer Kriegserklärung, man wartet nur darauf, dass das hier mal explodiert.
Als Porträt einer psychopathischen Gruppe ist das ganz nett, auch wenn die Informationen spärlich sind. Man weiß gar nicht, warum diese Leute überhaupt zusammen sind. Leider ist der Film um Leute, die sich einen Kick holen wollen, auch nicht entschlossen genug. Für einen wirklichen Hochspannungsthriller ist das zu wenig, da hätte bei den Wetten mehr passieren müssen. Gleichzeitig ist die Geschichte zu überzogen, als dass man sie ernst nehmen müsste. Es werden sich sicherlich einige darüber aufregen, was für ein Quatsch Tatort: Der Fluch des Geldes wieder ist. Dabei ist es grundsätzlich eigentlich schön, dass hier mal versucht wird, eine andere Art von Krimi auf die Beine zu stellen. Gut ist das Ergebnis aber leider nicht geworden, der Film bleibt irgendwo stecken. Dafür gibt es ein gemeineres Ende, auch wenn das alles etwas plötzlich kommt.
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