Goyo Netflix Streamen online
© Cleo Bouza/Netflix
Goyo Netflix Streamen online
„Goyo“ // Deutschland-Start: 5. Juli 2024 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Goyo (Nicolás Furtado) liebt die Kunst, vor allem die Werke von van Gogh haben es ihm angetan. Und so macht er seine Arbeit als Museumsführer gewissenhaft und mit viel Freude. Mit Menschen kommt er hingegen weniger gut klar, sein Autismus macht es ihm zuweilen schwer, die anderen zu verstehen. Und so kommt es dann auch zu einem Missverständnis, als er Eva (Nancy Dupláa) kennenlernt, die neue Sicherheitsmitarbeiterin im Museum, und diese sich von ihm belästigt fühlt. Nachdem er dieses Missverständnis aus dem Weg geräumt hat, kommen sich die beiden tatsächlich näher und entwickeln Gefühle füreinander. Dabei wollte Eva nach ihrer kaputten Ehe eigentlich mit der Liebe nichts mehr zu tun haben …

Leben und Lieben im Spektrum

Lange galt Autismus in Filmen als etwas Exotisches, eine komische Störung, unter der manche Menschen leiden und die sie lebensunfähig, aber brillant macht – Rain Man lässt grüßen. In den letzten Jahren hat man sich glücklicherweise mehr und mehr von diesem Klischee gelöst und versucht zu zeigen, dass es nicht nur die verschiedensten Ausprägungen auf diesem Spektrum gibt, sondern auch dass das Leben nicht komplett anders sein muss. Gerade auf Netflix hat es eine ganze Reihe von Beiträgen gegeben von Atypical über Ein besonderes Leben bis zu Geek Girl, die sich mit diesem Thema befassen. Nun kommt mit Goyo ein weiterer hinzu, der sich für betroffene Menschen stark macht und aufzuzeigen versucht, wie es sich mit dieser Besonderheit lebt.

Im Mittelpunkt steht dabei die Titelfigur, die sich durch die Bekanntschaft mit einer neuen Kollegin mit bislang ungeahnten Gefühlen herumplagt. Anstatt sich auf den Alltag seines Protagonisten zu konzentrieren, befasst sich Regisseur und Drehbuchautor Marcos Carnevale (Granizo) lieber mit der Frage: Wie sieht es in einem solchen Fall eigentlich mit der Liebe aus? Wie geht ein „normaler“ Mensch mit einer solchen Beziehung um? Wobei Goyo sich auch da nicht mit einer wirklich alltäglichen Situation zufriedengibt. So wird als Partnerin eine deutlich ältere Frau ausgesucht, die von der Liebe so enttäuscht ist, dass sie erst einmal gar nicht mit all dem klarkommt. Im Grunde geht es also darum, wie zwei Menschen, die gar nicht für den Liebesmarkt zur Verfügung standen, doch noch jemanden finden und darin ein Glück finden.

Sympathisch, aber ohne viel Tiefe

Als Idee ist das nicht uninteressant. Das Publikum darf sich auch auf eine Geschichte freuen, die zu Herzen geht und dabei aufmuntert. Denn wenn diese beiden die Liebe finden, dann ist alles möglich. Damit einher geht auch ein Plädoyer dafür, andere nicht vorschnell zu verurteilen, wenn Eva erst lernen muss, sich auf den jungen Mann einzulassen. Umgekehrt ist es auch irgendwie nett, wie der große Altersunterschied in Goyo gar nicht so wichtig ist. Es wird fast gar nicht darüber gesprochen, dass es eine deutliche Diskrepanz zwischen ihnen gibt. Damit tritt das argentinische Drama in die Fußstapfen anderer Filme aus den letzten Jahren, die sich mit einer solchen Konstellation aus älterer Frau und jüngerem Mann beschäftigen. Warum sollte es so herum nicht auch möglich sein?

Was der Film jedoch nicht deutlich macht, ist die Anziehung zwischen den Figuren genauer zu beleuchten. Man weiß letztendlich nie, warum Goyo nun ausgerechnet für Eva so viel empfindet, dass er seine Komfortzone verlässt. Auch umgekehrt wird das nicht deutlich, weshalb es bei dem Drama nur wenig wirklich romantisches Gefühl gibt. Die Charaktere sind zudem nicht unbedingt aussagekräftig. Zwar bemüht sich Hauptdarsteller Nicolás Furtado (Bandidos) schon, aus seiner Rolle einen komplexen Menschen zu machen. Das klappt aber nur bedingt. Bei den anderen hat man nicht den Eindruck, dass es überhaupt ernsthaft versucht wurde. Auch wenn das Werk sympathisch ist in dem, was es versucht, mehr als Durchschnitt ist dieser Liebesfilm nicht.



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Goyo
fazit
„Goyo“ erzählt von einem autistischen Museumsführer, der sich in eine ältere Mitarbeiterin verliebt und mit der Situation zu kämpfen hat. Das Anliegen ist sympathisch, der Hauptdarsteller engagiert. Und doch kommt das Drama nicht über Durchschnitt hinaus, auch weil man nie nachvollziehen kann, warum die beiden überhaupt ein Paar sind.
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