
Hoher Besuch auf dem Traumschiff: Die Familie von Reeder Hendrik Hansen (Peter Kremer) ist an Bord. Dieser wird demnächst seinen 70. Geburtstag feiern und hat zu dem Zweck alle zu sich nach Hudson Valley eingeladen. Seine Tochter Frederike (Natalie Avelon) wird dabei von ihrem Mann Daniel Peterson (Sönke Möhring) und ihrer Tochter Lilly (Alissa Lazar) begleitet, auch der geschiedene Sohn Jasper (Marc Schöttner) ist dabei. Bei der Familienzusammenkunft geht es jedoch nicht allein um Feierlichkeiten, sondern auch die Frage, wer von den grundverschiedenen Geschwistern in Zukunft das Unternehmen leiten wird. Da beide daran großes Interesse haben, wollen sie keine Fehler machen – und behalten deshalb Geheimnisse für sich. Aber auch die Crew hat so ihre Probleme. Während Staff-Kapitän Martin Grimm (Daniel Morgenroth) ungute Erinnerungen an den Reeder hat, trifft Hanna Liebhold (Barbara Wussow) ihre Jugendliebe Thomas Wellenstein (Adnan Maral) wieder …
Ein Leben in Luxus
Für ein bisschen Urlaub ist doch immer Zeit – vor allem, wenn man selbst nicht wegfahren kann. Und so bietet das ZDF in seinem Herzkino-Dauerbrenner Das Traumschiff dann mehrfach pro Jahr einen anderthalbstündigen Kurztrip an die unterschiedlichsten Orte, im Idealfall irgendwo weit weg, wo man sonst nicht hinkommen würde. So ging es Anfang des Jahres in Nusantara nach Indonesien. Im Frühjahr ging es erneut nach Südostasien, in Phuket stand Thailand auf dem Programm. Der Herbst hielt dann Argentinien bereit. Zum Abschluss des Jahres wird dann Südamerika gegen Nordamerika getauscht, Hudson Valley spielt im gleichnamigen Tal in New York. Der Eskapismus kennt schließlich keine Grenzen.
Sonderlich exotisch ist das dann vielleicht nicht. Wer diese Filme anschaut, um unbekannte Orte zu sehen, wird dieses Mal eher weniger bedient. Allgemein ist der 103. Teil der Endlosreihe weniger ergiebig, wenn es darum geht, tolle Landschaften oder imposante Bauwerke zu sehen. Ein Großteil von Das Traumschiff: Hudson Valley spielt in dem Anwesen des Patriarchen. Und auch die Szenen auf dem Schiff selbst verweigern dem Publikum spannende Ausblicke. Sicher, die Hansens leben sehr luxuriös, weshalb man ein wenig von einem glamourösen Dasein träumen darf. Das ist aber eher nicht der Grund, wofür man sich diese Reisefilme anschaut. Wenn man quasi das Hauptargument, wofür eingeschaltet wird, streicht, was bleibt da noch?
Sammlung von Seifenoper-Klischees
Der Inhalt. Und der ist wie so oft nicht unbedingt der beste. Er ist sogar schlechter als das. Auffällig ist, dass dieses Mal auf die übliche Dreiteilung verzichtet wurde. Normalerweise hat jeder Film drei parallele Stränge, die unabhängig voneinander ablaufen. Bei Das Traumschiff: Hudson Valley sind es eigentlich nur zwei, von denen der um die Hansens den Löwenteil annimmt. Theoretisch ist die Sache mit Grimms früherem Alkoholmissbrauch zwar ein drittes Thema. Das wird aber so klein gehalten, dass es nicht wirklich als Strang durchgeht – zumal die Geschichte ebenfalls mit Hansen zusammenhängt. Die Sache mit Liebhold wird auch nur ein bisschen nebenher besprochen. Dafür gibt es ganz viel Familiendrama bei der Unternehmerdynastie.
Dummerweise ist dieses ganz besonders schlecht geworden. Drehbuchautor Jürgen Werner reiht da nur einfallslos irgendwelche Klischees von Seifenopern aneinander. Die Figurenzeichnung ist sowieso lausig. Richtig lächerlich wird es auch, als die Familie erkennen muss, dass auch der Vater ein Geheimnis hat, das aber so offensichtlich war, dass der Film endgültig zu einer Beleidigung wird. Sicher, die Reihe überzeugt allgemein nicht durch Tiefgang, nuanciertes Erzählen oder spannende Gedanken. Das Traumschiff: Hudson Valley ist aber selbst in diesem Kontext sehr plump geworden. Zusammen mit dem fehlenden Eye Candy wird so einer der schlechtesten Teile heraus, welche die Reihe in den letzten Jahren hervorgebracht hat.
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