
Für Lynn (Chutimon Chuengcharoensukying) ist es eine große Chance, als sie auf einer renommierten Schule angenommen wird und ein Stipendium erhält. Denn das könnte für sie die Gelegenheit sein, später auf eine gute Universität zu gehen. Andere sind nicht ganz so begabt. Dazu zählt Grace (Eisaya Hosuwan), mit der sich Lynn auf der Schule anfreundet. Als die Versuche, ihr etwas beizubringen, ohne Erfolg bleiben, beginnt Lynn ihr während der Prüfungen unbemerkt zu helfen. Später stößt Pat (Teeradon Supapunpinyo) hinzu, der Freund von Grace, der ihr sogar Geld dafür gibt, die Lösungen zu bekommen. Und er wird nicht der Letzte bleiben, aus der kleinen Schummelei wird ein systematischer Betrug. Doch je größer die Geschichte wird, umso größer ist auch die Gefahr aufzufliegen – zumal da auch noch Lynns Konkurrent Bank (Chanon Santinatornkul) ist …
Ein unbekannter Hit
Das thailändische Kino hat hierzulande sicher Exotenstatus, nur selten werden bei uns Titel veröffentlicht. Am Größten sind die Chancen noch bei Vertretern aus dem Horrorgenre, siehe etwa The Lake oder auch die Netflix-Serie Horror am Dienstag. Dabei hat das südostasiatische Land deutlich mehr zu bieten. Ein Vorzeigetitel war etwa die Thrillerkomödie Bad Genius von 2017. Diese war nicht nur daheim ein großer Erfolg und heimste eine ganze Reihe von Preisen ein, sondern hinterließ auch international Eindruck. Tatsächlich lief der Film auf zahlreichen Festivals, brach diverse Rekorde, am Ende wurde er weltweit zum erfolgreichsten thailändischen Film aller Zeiten. Nur bei uns bekam man davon wenig mit. Das Werk wurde auf keinem Festival gezeigt, es gab keine Kino- oder DVD-Auswertung. Nicht einmal die Streamingdienste nahmen es ins Programm auf.
Das ist schade, weil der Film einen hohen Unterhaltungswert hat. Auf gewisse Weise handelt es sich um einen Heist Movie, bei dem wir einer Gruppe von Menschen zusehen, wie sie einen Coup vorbereiten. Wo es sonst aber darum geht, Geld, Gold, Juwelen oder andere Wertgegenstände zu stehlen, da geht es hier „nur“ um richtige Antworten bei Schulprüfungen. Das klingt erst einmal nicht wirklich aufregend. Ein bisschen geschummelt haben wohl die meisten irgendwann einmal. Nur dass bei Bad Genius die Ausmaße ganz andere sind. Nicht nur, dass hier gleich eine ganze Gruppe von Schülern und Schülerinnen mitmacht. Das Ganze ist zudem mit kommerziellen Zielen verbunden. Da geht es also nicht allein darum, sich selbst eine bessere Note zu verschaffen. Da wird im großen Stil betrogen.
Komisch und spannend
Und doch ist das noch harmlos im Vergleich zu dem, was in der zweiten Hälfte geschieht. Das Thema bleibt dasselbe, noch immer geht es darum, wie die Jugendlichen bei Prüfungen bescheißen. Regisseur und Co-Autor Nattawut Poonpiriya dreht aber noch einmal richtig auf. Schon vorher waren die Betrügereien ein bisschen übertrieben, so ausgefeilt ist das in der Realität dann doch nicht. Jetzt aber wird daraus ein absurdes Unterfangen, für das es richtig viel Kreativität und kriminelle Energie braucht. Bad Genius hält dabei die Balance aus Komik und Spannung. Man darf hier einerseits immer wieder lachen. Gleichzeitig dürften die meisten im Publikum mitfiebern, wie das alles denn ausgehen wird und ob die Jugendlichen mit diesem Wahnsinnsplan durchkommen.
Dabei ist gar nicht sicher, ob man Lynn nun anfeuern soll oder nicht. Auf der einen Seite ist Betrug nun einmal Betrug, gerade gegenüber denjenigen, die es nicht tun. Andererseits stellt sich heraus, dass die Schulleiterin selbst korrupt ist. Außerdem erzählt Bad Genius die Geschichte einer Jugendlichen aus einfachen Verhältnissen, die sich nach oben kämpft. So etwas ist fast immer sympathisch. Ein bisschen ambivalent ist der Film da also schon. Groß drüber nachdenken muss man aber so oder so nicht. Auch wenn durchaus gesellschaftlich relevante Themen gestreift werden, steht bei der thailändischen Thrillerkomödie der Spaß im Vordergrund. Und der ist tatsächlich so groß, dass die Nicht-Veröffentlichung bis heute Rätsel aufgibt.
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