Freiheit im Herzen
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Freiheit im Herzen – Lasst es uns eilig haben, menschlich zu sein

„Freiheit im Herzen – Lasst es uns eilig haben, menschlich zu sein“ // Deutschland-Start: 27. Februar 2025 (Kino)

Inhalt / Kritik

Mit Freiheit im Herzen – Lasst es uns eilig haben, menschlich zu sein legt die Schauspielerin Roxana Samadi ihr Regiedebüt vor – es ist ein eindringlicher Dokumentarfilm, der sich mit der Protestbewegung der iranischen Diaspora nach dem Tod von Jina Mahsa Amini auseinandersetzt. Die junge Frau wurde im September 2022 verhaftet, weil sie ihr Kopftuch nicht korrekt getragen hatte, und erlag drei Tage später den Verletzungen, die ihr bei der Verhaftung zugefügt wurden. Der Film feierte 2024 auf dem Filmfest Hamburg seine Weltpremiere und wurde dort mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

Ein verlorenes Paradies

Samadi nimmt die Zuschauer mit auf eine sehr persönliche Reise. Zu Beginn reflektiert sie über ihre Kindheitserinnerungen an den Iran, den sie einst als Paradies wahrnahm. Familienaufnahmen zeigen Momente der Wärme und Verbundenheit, bevor politische Umstände weitere Besuche unmöglich machten. Ihr Vater, der Regisseur Ali Samadi Ahadi, drehte 2011 bereits die Dokumentation The Green Wave über die Proteste im Iran 2009, was dazu führte, dass die Familie nicht mehr in den Iran reisen konnte. Samadi stellt damit offen und nahbar dar, was den emotionalen Kern ihres Films ausmacht.

Im Zentrum der Dokumentation stehen Exil-Iraner, die den Protest von Deutschland aus unterstützen. Zu Wort kommen prominente Persönlichkeiten aus Medien und Kunst, darunter die Journalistin Natalie Amiri, die Schauspielerin Pegah Ferydoni (Türkisch für Anfänger) oder die Sängerin Jasmin Shakeri. Samadi zeigt auch Aufnahmen der Berliner Großdemonstration im Oktober 2022, die das Gefühl der Hoffnung vieler der 80.000 Teilnehmer einfängt – eine Hoffnung, die sich jedoch nicht erfüllte. Der Film begleitet die Protagonisten über ein Jahr hinweg und dokumentiert dabei den schmerzhaften Prozess der Ernüchterung, als die Proteste im Iran brutal niedergeschlagen werden und die Exil-Community zunehmend gespalten erscheint. Trotzdem gibt es viele Iranerinnen und Iraner, die trotz Rückschlägen weiterhin auf die Verbrechen des Regimes aufmerksam machen. Samadi zeigt dies unter anderem durch die Bewegung „Jin Jiyan Azadi – Frau Leben Freiheit“ und beleuchtet dabei auch die Schwierigkeiten, eine vereinte Opposition zu bilden, die der im Iran zum Tode verurteilte Rapper Saye Skye so zusammenfasst: „Die Bewegung ist zerstritten. Das ist es, was das Regime will.“

Statement für Zivilcourage

Insgesamt gelingt es Roxana Samadi, die als Schauspielerin in der Serie Para – Wir sind King zu sehen war und der Figur des Katers Findus in den Petterson & Findus-Filmen ihres Vaters ihre Stimme lieh, ihrem Anliegen mit großer Klarheit Ausdruck zu verleihen. Sie nimmt eine deutliche Haltung ein und gewährt gleichzeitig intime Einblicke in ihre persönliche Betroffenheit. Manche mögen kritisieren, dass sie ihre Interviewpartner überwiegend aus einem künstlerischen Umfeld auswählt. Doch gerade prominente Stimmen wie Comedienne Enissa Amani nutzen ihre Reichweite, um auf die anhaltenden Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen – ein entscheidender Faktor, um die Freiheitsbewegung sichtbar zu halten.

Samadi gelingt es, diesen Menschen eine weitere Plattform zu geben und ihre Geschichten in den Mittelpunkt zu rücken. Die Zerrissenheit der Exil-Community und die Schwierigkeit, eine einheitliche Bewegung aufrechtzuerhalten, werden schonungslos dargestellt, ohne dass der Film dabei resigniert wirkt. Stattdessen zeigt er, dass der Widerstand auf vielen Ebenen weitergeht – auch wenn er nicht immer so sichtbar ist wie noch 2022. Freiheit im Herzen – Lasst es uns eilig haben, menschlich zu sein ist daher nicht nur eine Dokumentation über den Protest gegen das iranische Regime, sondern auch ein eindringliches Plädoyer für Zivilcourage.



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Freiheit im Herzen – Lasst es uns eilig haben, menschlich zu sein
fazit
Roxana Samadi gelingt mit “Freiheit im Herzen – Lasst es uns eilig haben, menschlich zu sein” ein bewegendes und persönliches Regiedebüt über die Protestbewegung der iranischen Diaspora. Der Film fängt sowohl die anfängliche Hoffnung als auch die Ernüchterung nach der Niederschlagung der Proteste ein und zeigt eindrucksvoll die Zerrissenheit der Exil-Community. Gleichzeitig bleibt er ein kraftvolles Plädoyer für Zivilcourage und den anhaltenden Kampf für Freiheit.
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