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Ekrem Engizek [Interview]

Mit HAPS – Crime Doesn’t Pay erwartet das deutsche Kino einen Crime-Thriller der besonderen Art. Ekrem Engizek ist zugleich Regisseur, Drehbuchautor und Produzent und legt bei seinem neuesten Projekt besonderen Wert darauf, die Schattenseiten des Lebens in einem Gefängnis deutlich aufzuzeigen. Zu diesem Zweck wird der Kinostart von HAPS – Crime Doesn’t Pay unter anderem von einer 360-Grad-Marketingkampagne begleitet.

In Interview zum Kinostart am 27. März 2025 stellt uns Ekrem den Entstehungsprozess und die Inspiration für seinen neuen Film vor und geht dabei insbesondere auf den Präventionsaspekt von HAPS – Crime Doesn’t Pay ein.

Du hast ja bereits Erfahrung innerhalb des Gangster-/Crime-Genres, bist in letzter Zeit als Regisseur und Produzent aber eher für Dokumentarfilme bekannt. Wie kam es jetzt zum Wechsel zurück zu einem Gangsterfilm beziehungsweise Drama?

Generell musst du es dir so vorstellen: Es ist erstmal der Traum, einen Film zu machen, und ihn dann vor allem genau so umzusetzen, wie man es sich vorstellt. Bei kleineren Filmen kann man das noch irgendwie mit eigenen Mitteln stemmen, aber bei einem Kinofilm braucht es wirklich eine Menge Geld. Ich musste diese Chance ergreifen, und dann war unser Anspruch aber auch, HAPS – Crime Doesn’t Pay bestmöglich umzusetzen. Klar kann man im Zweifelsfall auch Langfilme und Kinofilme mit Low Budget drehen, das sieht man allerdings dann auch. Hier haben wir mit der Elite Deutschlands gedreht, was die Crew angeht – unter anderem Christoph Wahl, der die Kamera gemacht hat, oder Casting-Direktor Emrah Ertem, der quasi alle großen deutschen Kinospielfilme besetzt.

Ich bin hier mit HAPS ein großes Risiko eingegangen. Es ist keine bestehende IP, sondern meine Idee, mein Drehbuch, und ich konnte alles so besetzen und so umsetzen, wie ich es wollte. So habe ich jetzt eine Referenz, die ich vorweisen kann. Normalerweise gibt einem ja kein Verleih und kein Studio die Chance, einen Film umzusetzen, ohne dass man beweisen kann, dass man es kann und schon Erfahrung hat.

Habt ihr den gleichen Qualitätsanspruch auch bei den technischen Aspekten gehabt und in der Postproduktion?

Genau. Wir haben mit Christian Schäfer, dem wirklich besten Szenenbildner, den es in Deutschland gibt, zusammengearbeitet. Wir hatten Köpenick als Außenmotiv, aber dann das Innere des Gefängnisses nachgebaut – die Mauern, die Zellen, den Gefängnishof –, das mussten wir alles bauen. Zusätzlich haben wir anamorphotisch gedreht, also mit der höchsten Qualität, die möglich war. Die Postproduktion wurde dann bei Rotor, im Studio Babelsberg gemacht – alles in Dolby Vision und Dolby Atmos. Mehr geht nicht. Diese Chance bekommt auch nicht jeder, aber das Ergebnis ist dann eben ein Film, den man auch als solchen bezeichnen kann.

Wie sah die Planung für diesen Film aus? Gab es Probleme bei der Finanzierung oder Förderung?

Ich war mit meiner Director’s Note überall. Habe alle Förderungen angesprochen, aber alles wurde abgelehnt. Genau das Gleiche bei den deutschen Verleihern und Booking/Billing-Firmen – überall abgelehnt. Letztendlich habe ich HAPS – Crime Doesn’t Pay komplett selbst in die Kinos gebracht. Ich habe alle großen Kinoketten angerufen, um mit ihnen zu sprechen und ihnen unsere Marketingkampagne vorzustellen.

Da würde ich direkt einhaken: Wie genau sieht eure Kampagne aus?

Wir haben eine 360-Grad-Marketingkampagne. Wir haben ein komplettes Metaverse neben dem Film aufgebaut. Normalerweise bringt ein Künstler beispielsweise ein Album raus und macht dazu zwei oder drei Musikvideos. Wir haben anstatt eines Albums einen ganzen Katalog gemacht – 30 Songs, alle in Dolby Atmos, und wir bringen zu jedem dieser Songs jede Woche ein Musikvideo raus. Das gab es so auch noch nie.

Zusätzlich haben wir einen eigenen Podcast mit Maximilian Pollock als Host. Er ist einer der erfolgreichsten True-Crime-Podcaster in Deutschland und war selbst zehn Jahre lang im Gefängnis. Das ist halt der Kern unserer Botschaft – die Präventionsarbeit, die wir damit leisten. Wir laden beispielsweise auch bekannte Gangster-Rapper in den Podcast ein und stellen dann die richtigen Fragen. Da wird dann klar, dass auch Gangster-Rapper keine Drogen empfehlen oder irgendwas verherrlichen würden. Selbst Kriminelle wünschen anderen – schon gar nicht jüngeren Menschen –, dass sie selbst Drogen nehmen oder kriminell werden.

Das ist unser Ansatz, um die Jugendlichen zu erreichen. Wenn man sich nur als Moralapostel aufspielt, hat man da keine Chance, sondern man muss eben auch die Sprache beherrschen. Das ist auch ein wichtiger Aspekt innerhalb des Films: Wenn man beispielsweise Khalil reden hört, aber durch die Blume vermitteln wir eben ganz wichtige Informationen.

Wie genau äußert sich der Präventionsgedanke eurer Kampagne innerhalb des Films?

HAPS – Crime Doesn’t Pay lässt die Zuschauer sozusagen durch die Augen des Protagonisten die beklemmende Situation im Gefängnis erleben. Wir wollen ja keine Werbung fürs Gefängnis machen. Es ist ja fast wie ein Kammerspiel, so klaustrophobisch, und es soll eben zeigen, wie man in so einer Situation reagiert, aus der man nicht mehr rauskommt. Am Ende soll man merken: Da will man selbst nicht rein. Und genau deswegen ist der Film eben auch so bedrückend und so abschreckend.

Letztlich ist es aber auch die Geschichte, wie jemand zum Antagonisten, zum Bösewicht wird. Und darauf aufbauend wollen wir jetzt ein ganzes Franchise in die Kinos bringen. Das war jetzt Teil 1 – die Untersuchungshaft. Darauf aufbauend kann man dann Teil 2 als Strafhaft und Teil 3 im offenen Vollzug inszenieren. Außerdem können wir drei, vier Spin-offs machen. HAPS – Crime Doesn’t Pay erzählt die Geschichte aus den Augen von Alexander Rotstein. Ein Spin-off wäre dann die Flüchtlingsgeschichte von Khalil und wie er ins Gefängnis gekommen ist. Dann mit Maslum eine Kartell-/Gangsterboss-Story und mit Viktor seine Geschichte mit Russland.

Ich baue mir damit also eine ganze Marke als Franchise auf und damit eine Visitenkarte, die ich vorzeigen kann.

Hattest du bei der Idee und der Konzeptualisierung zu HAPS – Crime Doesn’t Pay das Projekt bereits in diesem Umfang geplant?

Du musst dir vorstellen: Als Regisseur, Autor und Produzent habe ich mit mir selbst gekämpft. Normalerweise hast du immer eine Person, die über dir steht, aber wenn du alles selbst machst, dann ist da niemand außer dir.

Ganz am Anfang wollte ich es kleiner drehen, aber dann wurde es automatisch immer größer und größer. Ich hab das gar nicht so empfunden – ich wollte eben einfach diesen Film drehen und so umsetzen, wie ich ihn mir vorstelle. Weil ich alles selbst geschrieben hatte und selbst Regie führte, wusste ich eben auch genau, wie ich letztendlich drehen kann. Es wurde immer größer, aber auch immer besser. Die Qualität am Ende spielt eben eine große Rolle. Das ist eben meine Visitenkarte.

Sonst bekommt man kaum die Chance als Regisseur. Warum sollte dich zum Beispiel ein Produzent oder ein Verleih fördern, wenn du noch keine Erfolge vorzuweisen hast? Man muss seinen Traum eben selbst in die Hand nehmen – und damit habe ich jetzt etwas vorzuweisen, ein Statement, mit dem ich mich in der Szene vorstellen kann.

Woher kam der Grundgedanke, genau so einen Film zu drehen, und warum ist dir dieser Präventionsgedanke so wichtig?

Nun ja, ich hatte in meinen jungen Jahren eben auch diese Erlebnisse. Ich habe halt gekifft, Alkohol getrunken und über die Jahre auch mal was anderes probiert. Ich wollte nur über Dinge sprechen, die ich auch selbst erlebt habe – und darüber kann ich dann aber auch wirklich sprechen.

Ich war selbst im Gefängnis. So du musst dir vorstellen, bei mir war es so: Ab der 1. Klasse Elterntrennung, Mama mit 6 Kindern alleinerziehend, wir hatten nie Kohle. Dann kommst du an eine neue Schule und musst dich erstmal prügeln oder dich beweisen, weil man eben der Neue ist und es wird ja natürlich super viel gemobbt and Schulen. Dann hatte ich weniger als die anderen und musste dann immer schauen dass ich mich anders beweise damit ich in Ruhe gelassen werde. Ich hab dann halt das Kiffen angefangen, Alkohol trinken war immer cool, also das auch gemacht und so hat man sich dann eben integriert. Deswegen bin ich auch so der Klassenclown geworden, alles damit man eben in Ruhe gelassen wird oder dass die anderen erkennen man ist ein „cooler Typ“.

Aber dementsprechend kann ich den Kids heute eben auch sagen und zeigen dass dieser Weg letztendlich nichts bringt. In HAPS – Crime Doesn’t Pay steckt ganz viel eigene Erfahrung und darüber Authentizität, natürlich noch gefüttert mit Entertainment und Dramaturgie aber trotzdem.

Der Weg den ich schon in der Schule eingeschlagen habe war der falsche und zieht dann ja ganz viel nach sich. Ich habe nie die 9. Klasse besucht. Nicht weil ich dumm war oder so, aber mir hat die Förderung gefehlt und ich habe dann einfach den Anschluss verpasst. Dann wurde mit 22 so ne Sache von früher aufgerollt, die mir das Genick gebrochen hat. Zu dem Zeitpunkt war meine Freundin auch noch schwanger und ich wollte umbedingt bei der Geburt dabei sein, habe es aber nicht geschafft. Ich habe dann immer anderen die Schuld gegeben, wie Alex in HAPS – Crime Doesn’t Pay eben auch, bis ich dann mal nachgedacht und reflektiert habe. Das hat mich erwachsener gemacht.

Im Knast selbst ging es mir gar nicht so schlecht, aber ich wusste, meine Familie muss jetzt damit leben, dass andere Leute sie ansprechen, dass ihr Bruder ein Versager sei und im Knast sitzt. Danach hab ich dann gemerkt man muss seine Träume selbst in die Hand nehmen und eben selber dafür kämpfen. Man ist selbst dafür verantwortlich und ich war seit ich klein war super interessiert was Film und Musik angeht. Ich hab mit acht Jahren meinen ersten Film gedreht, mit zwölf oder dreizehn mein erstes Musikalbum selbst produziert, aber ich konnte natürlich nicht davon leben. Im späteren Alter bin ich dann sozusagen wieder in meinen Traum reingerutscht, weil ich gemerkt habe dass man alles erreichen kann, die Frage ist nur wie viel Leidenschaft und Zeit man da reinsteckt.

Zur Person
Ekrem Engizek ist ein deutscher Produzent, Regisseur und Drehbuchautor. In den letzten Jahren produzierte er überwiegend Naturdokumentationen, bei denen er auch als Regisseur und Drehbuchautor tätig war. Dennoch ist ihm das Gangster- und Krimi-Genre nicht fremd. Vor seinem neuesten Film HAPS – Crime Doesn’t Pay schuf er bereits Kopf oder Zahl und Koxa.



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