
Das mit den Gesetzen sieht Yvette Maudet (Brigitte Bardot) nicht so eng. Moral kennt sie sowieso nicht, weshalb sie mit ihrer Freundin Noémie (Annick Allières) einen Überfall auf einen Juwelier begeht, ausgerüstet mit einer Spielzeugpistole, die sie kurz zuvor gekauft hat. Leider ist ihr Talent ebenso überschaubar, weshalb sie prompt geschnappt wird. In ihrer Not wendet sie sich daraufhin an den renommierten Rechtsanwalt André Gobillot (Jean Gabin), der sie vertreten soll. Zwar hat sie nicht das notwendige Geld, um ihn bezahlen zu können. Dafür hat sie einen tollen Körper, den sie ohne große Scham einzusetzen bereit ist. Gobillot ist zwar verheiratet, kann diesem Angebot aber nicht widerstehen. Er beginnt sogar eine Affäre mit der deutlich jüngeren Frau. Zunächst meint der, die Situation im Griff zu haben. Doch die Lage wird immer komplizierter – vor allem, als auch der junge Student Mazetti (Franco Interlenghi) hinzukommt …
Eine unmögliche Beziehung
In erster Linie kennt man Georges Simenon ja für seine Kriminalromane, allen voran die Geschichten um Kommissar Maigret. Es gibt aber auch diverse Filme, die auf anderen Werken aus anderen Genres basieren. Da war beispielsweise Der Sträfling und die Witwe (1971) über eine vereinsamte Witwe, die auf ihrem Bauernhof einem entflohenen Kriminellen Unterschlupf gewährt. Ein Klassiker ist zudem das Kriegsdrama Le Train – Nur ein Hauch von Glück (1973) über zwei Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs auf der Flucht sind. Dabei standen meist große Stars vor der Kamera. So auch schon 1958 bei Mit den Waffen einer Frau, wo mit Jean Gabin und Brigitte Bardot gleich zwei französische Leinwandlegenden auftreten, die jeweils zu großem Ruhm gekommen waren, obwohl sie komplett unterschiedliche Typen sind.
Diese Unterschiedlichkeit ist hier natürlich Teil des Konzepts. Eine junge, unbekümmerte und gesetzlose Frau, die nichts im Leben wirklich auf die Reihe bekommt, trifft auf einen seriösen Anwalt mit bestem Ruf und im fortgeschrittenen Alter? Da passt nichts zusammen. Dessen ist sich Gobillot auch bewusst, er macht sich keine Illusionen darüber, wer seine Klientin ist und was er von ihr erwarten kann. Nur, das Wissen darum bedeutet ja nicht, dass man sich deswegen vernünftig verhält. Wer hat nicht schon mal jemandem hinterher geschwärmt, wo es keine reelle Chance gab, oder ist in einer Beziehung geblieben, in der Hoffnung, dass es besser wird? Mit den Waffen einer Frau erzählt von einer solchen Liaison, von der man die Finger lassen sollte. Nur funktioniert diese zunächst ja. Zumindest funktioniert sie besser, als sie es tun sollte, weshalb beide Seiten nicht voneinander lassen können.
Der tragische Weg ins Unglück
Ein bisschen ist das dann schon eine Amour fou. Nur ist es eine, unter der zunächst niemand leidet, nicht einmal Gobillots Frau. Kein Wunder also, dass die Kirche seinerzeit wenig glücklich über den Film war, zumal der auch noch nackte Haut zeigt. Mit der Zeit wird es dann aber doch kompliziert, Mit den Waffen einer Frau stürzt gleich mehrere Menschen ins Unglück, mal direkt, mal indirekt. Auch wenn es hier keinen nennenswerten Krimiteil gibt, wie man das von Simenon vielleicht erwarten würde, nur am Anfang und am Schluss geschieht in der Hinsicht etwas, düster ist der Film schon. Gerade im letzten Drittel nimmt das deutlich zu, wenn die Situation außer Kontrolle gerät. Für alle Beteiligten wohlgemerkt: Regisseur Claude Autant-Lara (Zwei Mann, ein Schwein und die Nacht von Paris) erzählt von Menschen, die versuchen, an etwas festzuhalten und dabei scheitern.
Das ist zwangsläufig sehr tragisch. Auch wenn die Figuren allesamt nicht übermäßig sympathisch sind, wecken sie doch das Mitgefühl der Zuschauer und Zuschauerinnen, wenn sie in ihr Verderben rennen. Das lebt natürlich maßgeblich von der Besetzung. Bardot als berechnendes Dummchen überzeugt ebenso sehr wie Jean Gabin, der mit seinem feinen Mienenspiel das ausdrückt, wofür es keine Worte gibt. Auch wenn die Geschichte recht schlicht ist, tragen sie dazu bei, dass das inzwischen in Vergessenheit geratene Drama Mit den Waffen einer Frau Jahrzehnte später noch immer einen Blick wert selbst, selbst wenn man mehrfach an dem Verhalten der Charaktere verzweifelt.
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