Vom Rockstar zum Killer: Der Fall Bertrand Cantat De rockstar à tueur: Le cas Cantat Netflix Streamen online
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Vom Rockstar zum Killer: Der Fall Bertrand Cantat

Vom Rockstar zum Killer: Der Fall Bertrand Cantat De rockstar à tueur: Le cas Cantat Netflix Streamen online
„Vom Rockstar zum Killer: Der Fall Bertrand Cantat“ // Deutschland-Start: 27. März 2025 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Nachdem Fans von True-Crime-Dokus bei Netflix die ersten beiden Monate etwas darben mussten, gab es zuletzt doch wieder ordentlich Nachschub. Zuerst gab es Chaos: Die Mason-Morde, das an den mörderischen Kult aus den 1960ern erinnert und dabei auch die eine oder andere Verschwörungstheorie auf Lager hat. In Con Mum: Lang vermisste Mutter oder Betrügerin wiederum trifft ein Patissier auf seine Mutter wieder, die ihn als Kind verlassen hat, bekommt dann aber Zweifel, ob sie wirklich diejenige ist, für die sie sich ausgibt. Bei Vom Rockstar zum Killer: Der Fall Bertrand Cantat ist hingegen der Fall ziemlich klar, zumindest im Hinblick auf die beteiligten Personen und was geschehen ist. Zumal der Titel auch die wichtigsten Informationen vorwegnimmt.

Mord oder nicht?

Hierzulande dürfte der Name eher weniger Leuten ein Begriff sein. Während der französische Sänger daheim einige Erfolge feierte, zuerst als Frontmann der Band Noir Désir, später auch mit anderen Gruppen und als Solist, nahm man in Deutschland wenig Notiz von seinem künstlerischen Schaffen. Sein Opfer war da schon bekannter: Marie Trintignant trat in zahlreichen Filmen auf, etwa in dem Abtreibungsdrama Eine Frauensache von Claude Chabrol. Außerdem war sie natürlich die Tochter der Leinwandlegende Jean-Louis Trintignant. Vom Rockstar zum Killer: Der Fall Bertrand Cantat interessiert sich aber weniger für ihre Karriere. Tatsächlich erfährt man auch wenig über sie als Mensch, der Fokus liegt eindeutig auf ihrem Tod. Cantat prügelte eines Nachts so stark auf sie ein, dass sie ins Koma fiel und später daran starb.

Das sind alles bekannte Fakten, das ist keine True-Crime-Doku, die man sich anschaut, um eine neue Geschichte zu erfahren. Es gibt auch keine weitergehenden Kenntnisse, nichts, was nicht auch ein Blick auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel verraten würde. Die Rekonstruktion des Falls geht relativ schnell. Anfangs behauptete der Sänger zwar, dass es sich um einen Unfall handelte, um einen unglücklichen Sturz. Die Untersuchungen ergaben aber sehr schnell, dass direkt ausgeführte und wiederholte Gewalt die Todesursache war. Vom Rockstar zum Killer: Der Fall Bertrand Cantat befasst sich mehr mit der juristischen Aufarbeitung. Dass der Mann die Schuld an ihrem Tod trägt, ist unbestritten. Die Frage war vielmehr, wie das Ganze zu bewerten war, was maßgeblichen Einfluss auf das Strafmaß hatte. Keine Wunder also, dass die Verteidigung alles auffuhr, um die Meinung zu Gunsten des Angreifers zu wenden.

Wichtig, aber manipulativ

Die dreiteilige Serie tut das nicht. Schon der sehr reißerische Titel Vom Rockstar zum Killer: Der Fall Bertrand Cantat nimmt vorweg, dass man es hier auf den Sänger abgesehen hat. Zwar kommen auch Leute zu Wort, die ihn verteidigen, sei es in damaligen Fernsehshows oder als Rechtfertigung für seine spätere Bewährungsstrafe. Es überwiegen aber diejenigen, die seine geringe Verurteilung als Skandal empfinden. Man nimmt dadurch schon ein eigenes Urteil vorweg, das Publikum soll wissen, was es zu denken hat. Das kann man angesichts der Geschichte zwar schon irgendwie vertreten. Ärgerlich ist diese plumpe Manipulation aber schon, die sich unter anderem auch in der aufdringlichen Musik äußert. Zudem hat die Doku vereinzelt einen unangenehmen Hang zum Voyeurismus hat, wenn das Leid der Menschen ausgeschlachtet wird.

Wenn die Serie dennoch sehenswert ist, dann wegen der gesellschaftlichen Komponenten. Da geht es beispielsweise um frauenfeindliche Ansichten, wenn dem Opfer eine Teilschuld gegeben wird. Auch der romantisierende Anstrich, es handele sich um ein Verbrechen aus Leidenschaft, darf einen empören. Und dann wäre da noch die Frage, ob man zwischen Künstler und Menschen unterscheiden kann und sollte. Auch wenn die zugrundeliegende Geschichte inzwischen zwei Jahrzehnte alt ist, hat Vom Rockstar zum Killer: Der Fall Bertrand Cantat einige Themen, über die man noch immer nachdenken und sprechen sollte. Zumal Gewalt in der Beziehung etwas ist, das nach wie vor keine Seltenheit ist und gern mal bagatellisiert wird, mit schrecklichen Folgen.



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Vom Rockstar zum Killer: Der Fall Bertrand Cantat
fazit
„Vom Rockstar zum Killer: Der Fall Bertrand Cantat“ erinnert daran, wie der Sänger seine Freundin zu Tode geprügelt hat. Die Geschichte ist noch immer aktuell, da sie einige wichtige Themen anspricht. Die gnadenlos manipulative Art, die auch vor Voyeurismus nicht Halt macht, gibt jedoch Anlass zum Ärger.
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